Grenz- und Parawissenschaften

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Der Ausdruck Parawissenschaften (griechisch para- „neben, darüber hinaus“) bezieht sich auf Erkenntnisansprüche, die sich am Rande oder außerhalb der akademischen Wissenschaften befinden. Dabei kann beschreibend oder wertend von „Parawissenschaften“ gesprochen werden.

Im ersten Fall bezieht sich der Ausdruck meist auf Auffassungen, Praktiken, Theorien oder Forschungsprogramme, für welche unentschieden ist, ob sie als Pseudowissenschaft oder als Protowissenschaft zu verstehen sind.

Die wertende Verwendung meint meist einen Oberbegriff für einerseits Pseudowissenschaften und andererseits Ansprüche auf alternative Erkenntnisse, die selbst gerade keinen Anspruch erheben, überhaupt wissenschaftlich zu sein. Auch für letztere wird in dieser wertenden Verwendung ausgesagt, dass die dabei beanspruchten alternativen Erkenntnisse irrig seien.


Der Begriff „Parawissenschaft“ wurde im deutschen Sprachraum erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gebräuchlich, maßgeblich durch die Aktivitäten der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“.

Laut E. Wunder versteht man im allgemeinen unter Parawissenschaften „Aussagensysteme, die explizit oder implizit den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder auf Überprüf- beziehungsweise Belegbarkeit mit Methoden der Wissenschaft stellen, bei denen jedoch der mehr oder minder starke Zweifel besteht, ob sie diesen Anspruch auch einlösen können“. Demnach ist Parawissenschaft kein wertender Begriff: Eine Parawissenschaft kann sich entweder als Protowissenschaft (als eine Wissenschaft „im Werden“) oder als Pseudowissenschaft erweisen. Ein Beispiel für eine ehemalige Protowissenschaft ist Wegeners Kontinentaldrifthypothese, die lange Zeit als reine Spekulation betrachtet wurde und schließlich nach ihrer Bestätigung in der Plattentektonik aufging, einem Teil der Wissenschaft Geologie. Ein Beispiel für eine Pseudowissenschaft ist aus heutiger Sicht die Phrenologie.

Daneben wird die Bezeichnung „Parawissenschaft“ auch so verwendet, dass sie sich auf die Erforschung sogenannter Para-Phänomene bezieht, also vom untersuchten Phänomen her definiert wird, oder dass sie „nicht institutionalisierte Formen von Wissenschaft“ kennzeichnen soll. Diese Sprachgebräuche konnten sich jedoch nicht etablieren.

Dass Menschen glauben, paranormale Erlebnisse zu haben, ist unbestritten. Nur die Frage, ob es sich wirklich um Vorkommnisse handelt, die für die etablierte Wissenschaft nicht erklärbar sind, oder um eine bloße Einbildung der Person, ist strittig. In diesem Zusammenhang wird unterschieden zwischen qualitativen Untersuchungen, wie zum Beispiel Zeugenberichten zu Poltergeistern, und der quantitativen Untersuchung im wiederholbaren Experiment, wie der statistischen Erfassung des Telekinese-Effektes.

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